Arthrose zählt zu den häufigsten degenerativen Gelenkerkrankungen weltweit und betrifft Millionen von Menschen, insbesondere in der zweiten Lebenshälfte. Diese chronische Erkrankung, bei der der Gelenkknorpel fortschreitend abgebaut wird, führt zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Die gesellschaftliche Relevanz der Arthrose kann kaum überschätzt werden, denn sie verursacht nicht nur immense Kosten im Gesundheitssystem, sondern führt auch zu Arbeitsausfällen und frühzeitiger Pensionierung.

Die konventionellen Behandlungsansätze umfassen in erster Linie Schmerzmedikation, Physiotherapie und im fortgeschrittenen Stadium den gelenkersetzenden operativen Eingriff. Während Schmerzmittel lediglich symptomatisch wirken und bei Dauereinsatz erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen können, stellt der künstliche Gelenkersatz zwar eine effektive Lösung dar, ist jedoch mit den Risiken einer Großoperation verbunden und sollte möglichst lange hinausgezögert werden. Diese Limitationen der etablierten Therapieoptionen haben in den vergangenen Jahren zu einem wachsenden Interesse an regenerativen Verfahren geführt, die das Potential besitzen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

In diesem Kontext haben sich zwei autologe, also körpereigene Therapieansätze etabliert: die Eigenbluttherapie mit plättchenreichem Plasma und die Eigenfetttherapie. Beide Verfahren versprechen, die natürlichen Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und das geschädigte Gelenk zu regenerieren, ohne dabei auf körperfremde Substanzen zurückgreifen zu müssen.

Grundlagen der Eigenbluttherapie (PRP-Therapie)

Die Eigenbluttherapie, in der Fachliteratur als PRP-Therapie bezeichnet, hat ihre Wurzeln in der Bezeichnung „Platelet-Rich Plasma“, also plättchenreiches Plasma. Das Verfahren basiert auf der Erkenntnis, dass Blutplättchen nicht nur für die Blutgerinnung verantwortlich sind, sondern auch eine Vielzahl von Wachstumsfaktoren und bioaktiven Proteinen enthalten, die Heilungsprozesse im Körper steuern und beschleunigen können.

Der Gewinnungsprozess gestaltet sich verhältnismäßig unkompliziert. Dem Patienten wird zunächst Blut abgnommen, typischerweise zwischen 20 und 60 Milliliter, je nach verwendetem System und Behandlungsprotokoll. Dieses Blut wird anschließend in einer speziellen Zentrifuge aufbereitet, wobei durch die unterschiedlichen Dichten der Blutbestandteile eine Trennung erfolgt. Das Ergebnis ist ein Konzentrat, das die drei- bis fünffache Menge an Thrombozyten im Vergleich zum normalen Blut enthält. Diese konzentrierte Lösung wird dann direkt in das betroffene Gelenk injiziert.

Der Wirkmechanismus beruht auf der Freisetzung zahlreicher Wachstumsfaktoren aus den aktivierten Thrombozyten. Zu den wichtigsten zählen der Platelet-derived growth factor (PDGF, „Wachstumsfaktor aus Thrombozyten“), der Transforming Growth Factor beta (TGFβ), die vaskulären endothelialen Wachstumsfaktoren (Vascular Endothelial Growth Factor, VEGF) sowie verschiedene Interleukine. Diese Botenstoffe stimulieren die Zellteilung, fördern die Bildung neuer Blutgefäße und modulieren entzündliche Prozesse im Gelenk. Besonders relevant ist die Fähigkeit dieser Faktoren, Chondrozyten, also Knorpelzellen, zur Produktion von Knorpelmatrix anzuregen und gleichzeitig katabole, also abbauende Prozesse zu hemmen.

Die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit der PRP-Therapie bei Arthrose hat sich in den letzten Jahren deutlich verdichtet. Zahlreiche kontrollierte Studien konnten zeigen, dass die Behandlung zu einer signifikanten Reduktion der Schmerzsymptomatik und zu einer Verbesserung der Gelenkfunktion führt. Besonders vielversprechend erscheinen die Ergebnisse bei leichter bis mittelschwerer Arthrose, während bei fortgeschrittenen Stadien mit ausgeprägtem Knorpelverlust die Effekte weniger ausgeprägt sind. Die Wirkung setzt typischerweise nach einigen Wochen ein und hält durchschnittlich zwischen sechs und zwölf Monaten an, wobei individuelle Unterschiede erheblich sein können.

Langzeitstudien deuten darauf hin, dass wiederholte Behandlungen den positiven Effekt verlängern können, ohne dass ein Wirksamkeitsverlust eintritt. Interessanterweise scheint die Qualität des gewonnenen PRP eine entscheidende Rolle zu spielen, wobei die optimale Zusammensetzung hinsichtlich Thrombozytenkonzentration und Anwesenheit von Leukozyten noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion ist.

Zu den wesentlichen Vorteilen der PRP-Therapie zählt zunächst die minimale Invasivität des Verfahrens. Die Blutentnahme und die intraartikuläre Injektion stellen routinemäßige medizinische Maßnahmen dar, die mit einem sehr geringen Komplikationsrisiko verbunden sind. Da ausschließlich körpereigenes Material verwendet wird, entfallen praktisch alle allergischen Reaktionen oder Unverträglichkeiten, die bei fremden Substanzen auftreten können. Die gesamte Prozedur lässt sich ambulant durchführen und erfordert keine Vollnarkose, sodass der Patient unmittelbar nach der Behandlung wieder nach Hause gehen kann. Die Ausfallzeit ist minimal, und die meisten Patienten können bereits nach wenigen Tagen ihre gewohnten Aktivitäten wieder aufnehmen.

Grundlagen der Eigenfetttherapie

Die Eigenfetttherapie stellt einen noch innovativeren Ansatz in der regenerativen Medizin dar und basiert auf der Erkenntnis, dass Fettgewebe weit mehr ist als ein passiver Energiespeicher. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Forschung gezeigt, dass das Fettgewebe eine reichhaltige Quelle für mesenchymale Stammzellen und eine Vielzahl regenerativ aktiver Zellen darstellt. Diese Zellen besitzen die bemerkenswerte Fähigkeit, sich in verschiedene Gewebetypen zu differenzieren und heilungsfördernde Substanzen zu sezernieren.

Das Verfahren beginnt mit einer Mini-Liposuktion, bei der unter lokaler Betäubung Fettgewebe aus einer geeigneten Spenderregion entnommen wird. Bevorzugte Entnahmestellen sind der Unterbauch oder die Hüftregion, da hier typischerweise ausreichend subkutanes Fettgewebe vorhanden ist. Die benötigte Menge bewegt sich zwischen 50 und 100 Millilitern, was einen relativ geringen Eingriff darstellt. Das gewonnene Fett wird anschließend aufbereitet, wobei verschiedene Verfahren zum Einsatz kommen können.

Bei der Lipogems-Methode wird das Fettgewebe mechanisch zu mikrofragmentiertem Fett verarbeitet, bei dem die zelluläre Architektur weitgehend erhalten bleibt. Dieses Verfahren kommt ohne enzymatische Behandlung aus und erfüllt damit in vielen Ländern die regulatorischen Anforderungen für minimal manipulierte Gewebeprodukte. Die Alternative ist die Gewinnung der sogenannten Stromal Vascular Fraction, kurz SVF, bei der das Fettgewebe enzymatisch verdaut wird, um eine hochkonzentrierte Zellsuspension zu erhalten. Diese enthält neben Stammzellen auch Perizyten, Endothelzellen und verschiedene immunmodulierende Zellen.

Der therapeutische Mechanismus der Eigenfetttherapie ist multifaktoriell und komplex. Die mesenchymalen Stammzellen können theoretisch in Knorpelzellen differenzieren und so direkt zum Gewebeersatz beitragen, wobei dieser Effekt vermutlich eine untergeordnete Rolle spielt. Wesentlich bedeutsamer erscheint die parakriane Wirkung, also die Freisetzung von Wachstumsfaktoren, Zytokinen und extrazellulären Vesikeln, die das lokale Milieu im Gelenk positiv beeinflussen. Diese Faktoren wirken entzündungshemmend, fördern die Angiogenese und stimulieren die körpereigenen Reparaturmechanismen. Zusätzlich besitzt das Fettgewebe selbst mechanische Puffereigenschaften und kann möglicherweise als biologisches Kissen im Gelenk fungieren.

Die Studienlage zur Eigenfetttherapie bei Arthrose ist noch nicht so umfangreich wie bei der PRP-Therapie, entwickelt sich jedoch vielversprechend. Erste kontrollierte Studien zeigen, dass die Behandlung zu einer deutlichen Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung führt, wobei die Effekte möglicherweise länger anhalten als bei der PRP-Therapie. Besonders interessant sind Untersuchungen, die mittels MRT-Bildgebung Hinweise auf eine Zunahme der Knorpeldicke oder zumindest eine Verlangsamung des Knorpelabbaus dokumentieren konnten.

Vergleichsstudien zwischen Eigenblut- und Eigenfetttherapie deuten darauf hin, dass beide Verfahren wirksam sind, wobei die Eigenfetttherapie möglicherweise bei fortgeschritteneren Arthrosestadien überlegen sein könnte. Dies würde mit der höheren regenerativen Potenz der enthaltenen Stammzellen korrespondieren.

Die Vorteile der Eigenfetttherapie liegen in der potentiell längeren Wirkdauer, die oft zwischen einem und zwei Jahren angegeben wird, wodurch seltener Wiederholungsbehandlungen notwendig werden. Eigenfett kann außerdem das Fortschreiten der Arthrose bremsen, während die Eigenbluttherapie nur die Symptome lindern kann. Die stärkere regenerative Kapazität durch die enthaltenen Stammzellen eröffnet theoretisch die Möglichkeit einer echten Geweberegeneration und nicht nur einer symptomatischen Verbesserung. Die ausgeprägte entzündungshemmende Wirkung kann besonders bei aktivierter, schmerzhafter Arthrose von Vorteil sein. Zudem handelt es sich auch hier um rein autologes Material, das keine Abstoßungsreaktionen hervorruft.

Direkter Vergleich der Therapieverfahren

Betrachtet man die Wirksamkeit beider Verfahren hinsichtlich der Schmerzreduktion, zeigen sich beide Ansätze als effektiv. Studien berichten für die PRP-Therapie über eine durchschnittliche Schmerzreduktion auf der visuellen Analogskala von etwa 40 bis 60 Prozent, während für die Eigenfetttherapie ähnliche oder teilweise etwas höhere Werte dokumentiert wurden. Allerdings ist ein direkter Vergleich schwierig, da die Studiendesigns, Patientenpopulationen und Behandlungsprotokolle stark variieren. Tendenziell scheint die Schmerzlinderung bei der Eigenfetttherapie länger anzuhalten.

Die Funktionsverbesserung, gemessen anhand standardisierter Scores wie dem WOMAC oder dem KOOS, fällt bei beiden Therapien signifikant aus. Patienten berichten über eine verbesserte Beweglichkeit, eine gesteigerte Belastbarkeit des Gelenks und eine Rückkehr zu Aktivitäten, die zuvor schmerzbedingt nicht mehr möglich waren. Auch hier scheinen die Effekte der Eigenfetttherapie möglicherweise nachhaltiger zu sein, wobei individuelle Faktoren eine große Rolle spielen.

Die Frage der echten Knorpelregeneration bleibt sowohl für die PRP- als auch für die Eigenfetttherapie Gegenstand intensiver Forschung. Während es Hinweise darauf gibt, dass beide Verfahren den Knorpelabbau verlangsamen können, ist eine substanzielle Neubildung von hyalinem Knorpel beim Menschen bislang nicht überzeugend nachgewiesen. Möglicherweise kommt es zur Bildung von Faserknorpel, der zwar biomechanisch minderwertig ist, aber dennoch eine Verbesserung der Gelenkfunktion bewirken kann. Die Eigenfetttherapie scheint hier aufgrund der enthaltenen Stammzellen theoretisch das größere Potential zu besitzen.

Aus praktischer Sicht unterscheiden sich die Verfahren ebenfalls. Die PRP-Therapie ist mit einer einfachen Blutentnahme und einer Gelenkpunktion verbunden, der gesamte Prozess dauert etwa 30 bis 45 Minuten. Der Patient kann die Praxis unmittelbar danach verlassen und sollte das behandelte Gelenk lediglich für einige Tage schonen. Die Eigenfetttherapie erfordert dagegen etwas mehr Aufwand. Die Fettentnahme muss in einem sterilen Setting erfolgen und der gesamte Eingriff dauert eine Stunde.

Hinsichtlich der Wiederholungsintervalle zeigt sich ein wesentlicher Unterschied. Während PRP-Behandlungen typischerweise in Serien durchgeführt werden und nach einigen Monaten wiederholt werden müssen, kann eine Eigenfettbehandlung oft für ein bis zwei Jahre Linderung verschaffen. Dies relativiert die höheren initialen Kosten teilweise, wenn man die langfristige Kostenentwicklung betrachtet.

Die Patienteneignung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Für die PRP-Therapie gibt es nur wenige absolute Kontraindikationen, zu denen schwere Infektionen, bestimmte Blutkrankheiten und die Einnahme von Gerinnungshemmern gehören. Die Eigenfetttherapie setzt vorausetzungsmäßig ein ausreichendes subkutanes Fettdepot voraus, was bei sehr schlanken Patienten problematisch sein kann.