Die Hüftarthrose, medizinisch als Coxarthrose bezeichnet, gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen im höheren Lebensalter. Dabei kommt es zu einem fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels, was zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einer erheblichen Minderung der Lebensqualität führt. Während die konventionelle Medizin bei fortgeschrittener Arthrose häufig den Gelenkersatz durch eine Totalendoprothese empfiehlt, suchen viele Betroffene nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten, die den natürlichen Heilungsprozess unterstützen und eine Operation hinauszögern oder sogar vermeiden können.
In den letzten Jahren hat sich die regenerative Medizin als vielversprechender Ansatz etabliert, der neue Perspektiven in der Behandlung von Gelenkerkrankungen eröffnet. Besonders die Lipogems-Methode, eine innovative Eigenfettbehandlung, hat in der orthopädischen Praxis zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene alternative Behandlungsmethoden bei Hüftarthrose mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Lipogems-Verfahren und zeigt auf, wie ein ganzheitliches Therapiekonzept aussehen kann.
Bewegungstherapie und physikalische Methoden
Die Grundlage jeder konservativen Arthrose-Behandlung bildet die gezielte Bewegungstherapie. Entgegen der weitverbreiteten Annahme, dass Schonung bei Gelenkbeschwerden hilfreich sei, zeigt die moderne Forschung eindeutig, dass dosierte Bewegung essentiell für die Erhaltung der Gelenkfunktion ist. Durch Physiotherapie und gezieltes Muskeltraining wird die Muskulatur rund um das Hüftgelenk gestärkt, was das Gelenk stabilisiert und entlastet. Besonders die Kräftigung der Hüftabduktoren und der Gesäßmuskulatur spielt eine zentrale Rolle, da diese Muskeln das Becken beim Gehen stabilisieren und so die Belastung auf das geschädigte Gelenk reduzieren.
Wassergymnastik und Schwimmen bieten den Vorteil, dass der Auftrieb im Wasser das Körpergewicht trägt und somit eine gelenkschonende Bewegung ermöglicht. Die Wärme des Wassers wirkt zusätzlich entspannend auf die Muskulatur und kann Schmerzen lindern. Auch sanfte Bewegungsformen aus dem asiatischen Raum wie Tai Chi und Qigong haben sich als wirksam erwiesen. Diese Übungssysteme fördern nicht nur die Beweglichkeit und Balance, sondern trainieren auch die Körperwahrnehmung und tragen zur Stressreduktion bei. Yoga kann bei Hüftarthrose ebenfalls hilfreich sein, sofern die Übungen entsprechend angepasst werden. Wichtig ist dabei, extreme Dehnungen und Belastungen des betroffenen Gelenks zu vermeiden und stattdessen auf sanfte, stabilisierende Positionen zu setzen.
Manuelle Therapien
Manuelle Therapieformen ergänzen die aktive Bewegungstherapie um passive Behandlungsansätze. Die Osteopathie betrachtet den Körper als Einheit und versucht, durch sanfte Mobilisationstechniken Blockaden zu lösen und die natürliche Beweglichkeit wiederherzustellen. Osteopathen arbeiten nicht nur direkt am betroffenen Gelenk, sondern beziehen auch benachbarte Strukturen wie das Iliosakralgelenk, die Lendenwirbelsäule und sogar entferntere Bereiche mit ein, da diese die Hüftfunktion beeinflussen können. Die Chiropraktik konzentriert sich primär auf die Korrektur von Gelenkfehlstellungen und kann bei funktionellen Störungen im Bereich des Beckens und der Wirbelsäule zur Entlastung des Hüftgelenks beitragen. Die manuelle Lymphdrainage fördert den Abtransport von Stoffwechselschlacken und kann bei entzündlichen Prozessen im Gelenk abschwellend wirken.
Ein vergleichsweise neuer Ansatz ist die Faszientherapie. Die Faszien, das bindegewebige Netzwerk, das Muskeln, Organe und andere Strukturen umhüllt, können bei Arthrose-Patienten Verklebungen und Verhärtungen aufweisen. Durch gezielte Techniken wie Faszienrollen oder manuelle Faszienbehandlung können diese Verklebungen gelöst werden, was zu einer verbesserten Beweglichkeit und Schmerzreduktion führen kann.
Regenerative Injektionstherapien
Während die bisher genannten Methoden primär auf Schmerzlinderung und Funktionserhalt abzielen, sollen regenerative Injektionstherapien nicht nur Symptome behandeln, sondern die körpereigenen Heilungsprozesse aktivieren und im besten Fall geschädigtes Gewebe regenerieren.
Hyaluronsäure-Injektionen gehören zu den etablierten Verfahren in der Arthrose-Behandlung. Die Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und wirkt als Schmiermittel und Stoßdämpfer. Bei Arthrose nimmt die Konzentration und Qualität der Hyaluronsäure im Gelenk ab. Durch Injektionen soll dieser Mangel ausgeglichen werden, was zu einer verbesserten Gelenkfunktion und Schmerzreduktion führen kann. Die PRP-Therapie, kurz für Platelet-Rich Plasma oder plättchenreiches Plasma, nutzt Bestandteile des eigenen Blutes zur Behandlung. Dabei wird dem Patienten Blut entnommen, zentrifugiert und die konzentrierten Blutplättchen ins Gelenk injiziert. Diese Plättchen enthalten zahlreiche Wachstumsfaktoren, die Heilungsprozesse anregen sollen. Die Eigenbluttherapie folgt einem ähnlichen Prinzip, allerdings mit weniger aufwendiger Aufbereitung.
Die Lipogems-Eigenfettbehandlung im Detail
Die Lipogems-Methode stellt einen der innovativsten Ansätze in der regenerativen Behandlung von Gelenkerkrankungen dar. Das Verfahren nutzt körpereigenes Fettgewebe als therapeutisches Material und macht sich dabei die außergewöhnlichen regenerativen Eigenschaften dieses Gewebes zunutze. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fettgewebstransplantationen, die hauptsächlich in der plastischen Chirurgie zur Volumenaugmentation eingesetzt werden, konzentriert sich Lipogems auf die biologisch aktiven Komponenten des Fettgewebes.
Der Name Lipogems bezieht sich sowohl auf das verwendete medizinische System als auch auf das damit hergestellte Produkt. Es handelt sich um ein geschlossenes, steriles Einwegsystem, das eine standardisierte und sichere Aufbereitung des Fettgewebes ermöglicht. Das Besondere an dieser Methode ist, dass alle Schritte von der Entnahme über die Aufbereitung bis zur Injektion in einer einzigen Sitzung erfolgen, ohne dass das Gewebe das sterile System verlässt.
Der Wirkmechanismus
Die therapeutische Wirkung von Lipogems beruht auf mehreren Mechanismen, die zusammenwirken. Fettgewebe ist weit mehr als nur ein Energiespeicher des Körpers. Es enthält eine Vielzahl biologisch aktiver Zellen, darunter mesenchymale Stammzellen, Perizyten und verschiedene Immunzellen. Diese Zellen haben die bemerkenswerte Fähigkeit, auf Gewebeschäden zu reagieren und Reparaturprozesse einzuleiten. Die mesenchymalen Stammzellen im Fettgewebe können sich unter bestimmten Bedingungen in verschiedene Zelltypen differenzieren, darunter auch knorpelbildende Zellen. Noch wichtiger ist jedoch ihre Fähigkeit, eine Vielzahl von Botenstoffen, sogenannten Zytokinen und Wachstumsfaktoren, freizusetzen. Diese Substanzen wirken entzündungshemmend, fördern die Durchblutung und stimulieren körpereigene Reparaturmechanismen.
Die Perizyten, Zellen die die Blutgefäße umgeben, spielen eine wichtige Rolle bei der Geweberegulation und haben ebenfalls stammzellähnliche Eigenschaften. Sie können zur Bildung neuer Blutgefäße beitragen und die Mikrozirkulation im geschädigten Gewebe verbessern. Die immunmodulatorischen Effekte des Fettgewebes sind ein weiterer wichtiger Wirkmechanismus. Die im Lipogems-Präparat enthaltenen Zellen können überschießende Entzündungsreaktionen im arthrotischen Gelenk dämpfen und so zur Schmerzlinderung und Verlangsamung des Krankheitsprozesses beitragen.
Das Lipogems-Verfahren Schritt für Schritt
Die Lipogems-Behandlung beginnt mit einer sorgfältigen Patientenauswahl. Nicht jeder Arthrose-Patient ist für dieses Verfahren geeignet. Idealerweise sollte die Arthrose noch nicht zu weit fortgeschritten sein, da die regenerativen Prozesse eine gewisse Grundsubstanz an erhaltenem Knorpelgewebe benötigen. Patienten mit leichter bis mittelschwerer Arthrose, entsprechend den Kellgren-Lawrence-Graden I bis III, profitieren am meisten von der Behandlung.
Der eigentliche Eingriff erfolgt ambulant und dauert etwa 45 bis 60 Minuten. Zunächst wird die Stelle identifiziert, an der das Fettgewebe entnommen werden soll. Bevorzugte Entnahmestellen sind der Unterbauch oder die Oberschenkel, da hier in der Regel ausreichend Fettgewebe vorhanden ist. Nach örtlicher Betäubung wird eine kleine Inzision von wenigen Millimetern Länge vorgenommen, durch die eine dünne Kanüle eingeführt wird. Mit einer speziellen Technik wird nun vorsichtig Fettgewebe abgesaugt, wobei darauf geachtet wird, die Zellstrukturen möglichst schonend zu behandeln.
Das gewonnene Fettgewebe wird unmittelbar im Lipogems-System weiterverarbeitet. Dieser Aufbereitungsprozess ist das Herzstück des Verfahrens und unterscheidet es von einfachen Fetttransplantationen. Das System arbeitet rein mechanisch, ohne chemische Zusätze oder enzymatische Behandlungen. Durch eine Kombination aus sanfter Zerkleinerung, Waschung und Filtration werden störende Bestandteile wie Öl, Blut und beschädigte Zellen entfernt, während die wertvollen regenerativen Zellen konzentriert werden. Das Ergebnis ist ein homogenes, cremiges Produkt, das reich an vitalen Zellen und ihrer natürlichen extrazelulären Matrix ist. Diese Matrix ist wichtig, da sie nicht nur als Trägersubstanz dient, sondern auch Wachstumsfaktoren und andere bioaktive Moleküle enthält. Das aufbereitete Material wird dann mittels einer dünnen Nadel präzise in das betroffene Hüftgelenk injiziert, wobei häufig eine Ultraschall- oder Röntgenkontrolle zur exakten Platzierung verwendet wird.
Vorteile der Lipogems-Methode
Die Lipogems-Behandlung bietet gegenüber anderen regenerativen Verfahren mehrere entscheidende Vorteile. Da ausschließlich körpereigenes Material verwendet wird, besteht kein Risiko einer Abstoßungsreaktion oder Unverträglichkeit. Anders als bei Behandlungen mit Spendergewebe oder synthetischen Materialien erkennt der Körper die injizierten Zellen als eigene Strukturen. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist die Minimalinvasivität des Verfahrens. Es sind keine großen chirurgischen Schnitte notwendig, und die Patienten können in der Regel noch am selben Tag nach Hause gehen. Die Narben an der Entnahmestelle sind minimal und verheilen meist unauffällig. Im Vergleich zu anderen stammzellbasierten Therapien, bei denen Zellen über Wochen in Laboren kultiviert werden müssen, bietet Lipogems den Vorteil eines Single-Step-Verfahrens. Alles geschieht in einer einzigen Sitzung, ohne dass Zellen außerhalb des Körpers vermehrt oder manipuliert werden müssen. Dies reduziert nicht nur den zeitlichen und finanziellen Aufwand, sondern minimiert auch das Risiko von Verunreinigungen oder unerwünschten Zellveränderungen.
Die Tatsache, dass keine genetische Manipulation oder In-vitro-Züchtung der Zellen erfolgt, macht das Verfahren aus regulatorischer Sicht unkomplizierter und entspricht den strengen europäischen Richtlinien für Gewebeprodukte. Das Sicherheitsprofil der Methode ist insgesamt als sehr gut einzustufen, da es sich um ein geschlossenes System handelt und auf körperfremde Substanzen verzichtet wird.
Für wen ist Lipogems geeignet?
Die Eignung für eine Lipogems-Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das Arthrose-Stadium spielt dabei eine zentrale Rolle. Patienten mit leichter bis mittelschwerer Arthrose sprechen erfahrungsgemäß am besten auf die Behandlung an. In diesen Stadien ist noch ausreichend Knorpelgewebe vorhanden, das durch die regenerativen Prozesse stabilisiert und möglicherweise sogar teilweise regeneriert werden kann. Bei schwerer, fortgeschrittener Arthrose mit nahezu vollständigem Knorpelverlust und ausgeprägten Knochenveränderungen ist der Erfolg hingegen begrenzt, da hier schlicht die biologische Basis für eine Regeneration fehlt. Das Alter des Patienten ist zwar ein Faktor, aber nicht das entscheidende Kriterium. Auch ältere Menschen können von der Behandlung profitieren, sofern der Allgemeinzustand gut ist und keine schwerwiegenden Begleiterkrankungen vorliegen. Wichtiger als das kalendarische Alter ist der biologische Zustand des Gelenks und die regenerative Kapazität des Organismus. Es gibt durchaus 70-jährige Patienten, die ausgezeichnet auf die Behandlung ansprechen, während manche jüngere Patienten mit aggressiven Arthroseformen möglicherweise weniger profitieren.
Zu den Kontraindikationen gehören akute Infektionen im Bereich des Gelenks oder systemische Infektionen, aktive Tumorerkrankungen, schwere Gerinnungsstörungen und bestimmte Autoimmunerkrankungen. Auch Patienten mit sehr geringen Fettreserven könnten Schwierigkeiten haben, ausreichend Material für die Behandlung zu gewinnen, wobei dies in der Praxis selten ein Problem darstellt, da bereits kleine Mengen Fettgewebe ausreichen.
Behandlungsverlauf und Nachsorge
Nach der Lipogems-Injektion beginnt eine wichtige Phase, in der die Patienten aktiv zum Behandlungserfolg beitragen können. Unmittelbar nach dem Eingriff sollte das behandelte Gelenk für einige Tage geschont werden. Dies bedeutet nicht absolute Bettruhe, sondern vielmehr das Vermeiden von starken Belastungen und abrupten Bewegungen. Viele Ärzte empfehlen, in den ersten Tagen Unterarmgehstützen zu verwenden, um das Hüftgelenk zu entlasten. In den ersten Wochen nach der Behandlung kann es zu einer vorübergehenden Reaktion des Gelenks kommen. Einige Patienten berichten von einer kurzzeitigen Zunahme der Beschwerden oder einem Spannungsgefühl im Gelenk. Dies ist eine normale Reaktion auf die Injektion und die einsetzenden biologischen Prozesse und sollte nicht beunruhigen. Kühlung und bei Bedarf entzündungshemmende Medikamente können in dieser Phase Linderung verschaffen. Der schrittweise Belastungsaufbau ist entscheidend für den langfristigen Erfolg. Nach etwa zwei Wochen kann mit sanfter Mobilisation begonnen werden. Begleitende Physiotherapie spielt in dieser Phase eine wichtige Rolle. Die Therapeuten können gezielte Übungen anleiten, die die Muskulatur kräftigen ohne das Gelenk zu überlasten. Auch Lymphdrainage und andere unterstützende Maßnahmen können sinnvoll sein.
Die meisten Patienten bemerken erste Verbesserungen nach etwa vier bis acht Wochen. Dies kann sich in Form einer Schmerzreduktion, verbesserter Beweglichkeit oder gesteigerter Belastbarkeit äußern. Die maximale Wirkung entfaltet sich jedoch erst nach drei bis sechs Monaten, wenn die regenerativen Prozesse im Gelenk voll etabliert sind. Verlaufskontrollen in diesem Zeitraum ermöglichen es, die Entwicklung zu dokumentieren und die weitere Therapie entsprechend anzupassen.
Erwartbare Ergebnisse und Studienlage
Die Ergebnisse von Lipogems-Behandlungen bei Hüftarthrose sind vielversprechend, wobei realistische Erwartungen wichtig sind. Studien zeigen, dass viele Patienten eine deutliche Schmerzreduktion erfahren, die häufig im Bereich von 40 bis 70 Prozent liegt. Dies bedeutet nicht, dass die Patienten völlig schmerzfrei werden, aber die Schmerzen werden auf ein Niveau reduziert, das den Alltag deutlich erleichtert und die Lebensqualität spürbar verbessert. Neben der Schmerzlinderung berichten Patienten häufig über eine verbesserte Gelenkfunktion. Tätigkeiten, die zuvor schwierig oder unmöglich waren, wie längeres Gehen, Treppensteigen oder das Anziehen von Schuhen, werden wieder leichter. Die Gehstrecke verlängert sich, und die Notwendigkeit für Schmerzmittel nimmt ab. Besonders erfreulich ist, dass Lipogems nicht nur die Symptome lindert, sondern möglicherweise auch den Krankheitsverlauf beeinflussen kann. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Behandlung das Fortschreiten der Arthrose verlangsamen kann, auch wenn dies schwierig zu beweisen ist und längere Beobachtungszeiträume erfordert.
Die Dauer der Wirkung variiert individuell, liegt aber typischerweise im Bereich von einem bis drei Jahren. Bei einigen Patienten hält die Verbesserung noch länger an, während andere nach einem Jahr wieder eine langsame Verschlechterung bemerken. Ein großer Vorteil der Methode ist, dass die Behandlung bei Bedarf wiederholt werden kann. Viele Patienten entscheiden sich nach Abklingen der Wirkung für eine erneute Lipogems-Injektion, die oft ähnlich gut wirkt wie die erste.
Risiken und Nebenwirkungen
Wie jeder medizinische Eingriff ist auch die Lipogems-Behandlung nicht völlig frei von Risiken, diese sind jedoch insgesamt als gering einzustufen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind temporärer Natur und vergleichsweise mild. Unmittelbar nach der Injektion kommt es häufig zu einer Schwellung des Gelenks und einem vorübergehenden Anstieg der Schmerzen. Dies ist eine normale Reaktion des Körpers auf die Injektion und klingt meist innerhalb weniger Tage ab. An der Entnahmestelle des Fettgewebes können Blutergüsse, leichte Schwellungen oder ein Druckgefühl auftreten. Diese Beschwerden sind in der Regel mild und verschwinden innerhalb von ein bis zwei Wochen. Die kleinen Narben an der Entnahmestelle heilen meist unauffällig ab. Das Infektionsrisiko ist sehr gering, da das gesamte Verfahren unter sterilen Bedingungen in einem geschlossenen System durchgeführt wird. Trotzdem kann eine Infektion nie völlig ausgeschlossen werden, weshalb auf sorgfältige Hygiene und sterile Technik größter Wert gelegt wird. Allergische Reaktionen sind bei Verwendung von körpereigenem Material praktisch ausgeschlossen. Im Gegensatz zu Behandlungen mit Hyaluronsäure oder anderen Fremdsubstanzen, bei denen allergische Reaktionen vorkommen können, nutzt Lipogems ausschließlich körpereigenes Gewebe. Schwerwiegende Komplikationen wie Gefäß- oder Nervenverletzungen sind bei korrekter Durchführung extrem selten.
Kosten und Kostenübernahme
Ein wichtiger Aspekt, der bei der Entscheidung für oder gegen eine Lipogems-Behandlung bedacht werden muss, sind die Kosten. Die Behandlung liegt typischerweise im Bereich von 3.500 bis 4.300 Euro pro Sitzung. Diese Kosten umfassen die Entnahme und Aufbereitung des Fettgewebes, das Lipogems-Einwegsystem, die Injektion unter Bildkontrolle sowie die ärztliche Leistung.
Die gesetzlichen Krankenkassen in Österreich übernehmen die Kosten für Lipogems-Behandlungen in der Regel nicht, da das Verfahren noch nicht in den Leistungskatalog aufgenommen wurde. Dies liegt zum Teil daran, dass die Methode als vergleichsweise neu gilt und der medizinische Nutzen aus Sicht der Kassen noch nicht ausreichend durch große Studien belegt ist. Die Behandlung müssen damit vom Patienten selbst getragen werden.
Bei privaten Krankenversicherungen sieht die Situation unterschiedlich aus. Einige private Versicherer übernehmen die Kosten ganz oder teilweise, insbesondere wenn die Behandlung als medizinisch notwendig eingestuft wird und als Alternative zu einer ansonsten notwendigen Operation angesehen werden kann. Es empfiehlt sich in jedem Fall, vor der Behandlung einen Kostenvoranschlag bei der Versicherung einzureichen und eine Zusage einzuholen.
Kombination mit anderen Therapien
Die Lipogems-Behandlung sollte nicht isoliert betrachtet werden, sondern ist am wirksamsten als Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts. Die regenerativen Effekte der Eigenfettbehandlung können durch begleitende Maßnahmen unterstützt und verstärkt werden. Physiotherapie spielt dabei eine zentrale Rolle. Durch gezieltes Training wird die Muskulatur gestärkt, was das Gelenk stabilisiert und die Belastung auf den geschädigten Knorpel reduziert. Die verbesserte Beweglichkeit und Kraft ermöglichen es den Patienten, aktiver zu werden, was wiederum den Heilungsprozess fördert. Auch die Ernährung kann einen wichtigen Beitrag leisten. Eine entzündungshemmende Ernährung, reich an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen, kann die chronischen Entzündungsprozesse im Gelenk dämpfen. Der Verzicht auf entzündungsfördernde Nahrungsmittel wie übermäßig verarbeitete Produkte, zu viel rotes Fleisch und Zucker kann ebenfalls hilfreich sein. Bei übergewichtigen Patienten ist eine Gewichtsreduktion besonders wichtig, da jedes Kilogramm weniger eine erhebliche Entlastung für das Hüftgelenk bedeutet.
Weitere naturheilkundliche Ansätze
Neben den regenerativen Injektionstherapien gibt es eine Reihe naturheilkundlicher Verfahren, die unterstützend bei Hüftarthrose eingesetzt werden können. Die Phytotherapie, also die Pflanzenheilkunde, bietet verschiedene Heilpflanzen mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften. Besonders gut untersucht ist die Teufelskralle, eine aus Afrika stammende Pflanze, deren Wurzeln entzündungshemmende Inhaltsstoffe enthalten. Studien zeigen, dass Teufelskrallen-Extrakte die Schmerzen bei Arthrose signifikant reduzieren können, wenn auch die Wirkung erst nach mehrwöchiger Einnahme einsetzt.
Weidenrinde enthält Salicin, eine Vorstufe der Acetylsalicylsäure, und wirkt ähnlich wie Aspirin schmerzlindernd und entzündungshemmend, allerdings magenfreundlicher. Brennnesselextrakte werden traditionell bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt und haben in Studien moderate entzündungshemmende Effekte gezeigt. Die Einnahme sollte über längere Zeiträume erfolgen, da pflanzliche Wirkstoffe meist sanfter und langsamer wirken als synthetische Medikamente.
Die Traditionelle Chinesische Medizin betrachtet Arthrose als Folge von Blockaden im Energiefluss und Mangel an bestimmten Elementen. Akupunktur hat sich in mehreren Studien als wirksam bei der Schmerzreduktion bei Hüftarthrose erwiesen und wird mittlerweile auch von manchen gesetzlichen Krankenkassen bei chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates übernommen. Die feinen Nadeln werden an spezifischen Punkten gesetzt, um den Energiefluss zu harmonisieren und körpereigene Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Auch chinesische Kräutertherapien werden eingesetzt, meist in Form von individuell zusammengestellten Kräutermischungen, die als Tee oder Dekokt eingenommen werden.
Ernährung und Nahrungsergänzung
Die Rolle der Ernährung bei Arthrose wird häufig unterschätzt, dabei zeigen Studien deutlich, dass bestimmte Ernährungsweisen Entzündungsprozesse im Körper beeinflussen können. Eine entzündungshemmende Ernährung nach mediterraner Art, reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Fisch und hochwertigen pflanzlichen Ölen, kann dazu beitragen, die chronische Entzündung im arthrotischen Gelenk zu dämpfen. Besonders wichtig sind Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in fettem Seefisch wie Lachs, Makrele und Hering sowie in Leinöl, Walnüssen und Chiasamen vorkommen. Omega-3-Fettsäuren wirken auf molekularer Ebene entzündungshemmend und können die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe reduzieren. Studien zeigen, dass eine regelmäßige Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren bei Arthrose-Patienten zu einer Schmerzreduktion und verbesserter Gelenkfunktion führen kann. Die optimale Dosis liegt bei etwa zwei bis drei Gramm EPA und DHA pro Tag, was sich durch zwei bis drei Portionen fetten Seefisch pro Woche oder entsprechende Nahrungsergänzungsmittel erreichen lässt.
Glucosamin und Chondroitin gehören zu den am häufigsten verwendeten Nahrungsergänzungsmitteln bei Arthrose. Beide Substanzen sind natürliche Bestandteile des Knorpelgewebes. Die Studienlage ist uneinheitlich, einige Untersuchungen zeigen positive Effekte auf Schmerz und Funktion, andere können keine Wirkung über Placebo hinaus nachweisen. Patienten, die diese Präparate einnehmen möchten, sollten auf hochwertige Produkte achten und die Einnahme über mindestens drei Monate testen, da die Wirkung verzögert einsetzt. Kollagenhydrolysat, auch als Gelatine bekannt, wird ebenfalls häufig empfohlen. Die Theorie besagt, dass die aufgenommenen Kollagenpeptide im Körper als Bausteine für die Knorpelregeneration dienen können. Einige Studien deuten auf positive Effekte hin, insbesondere bei aktiven Menschen und Sportlern. Die empfohlene Dosis liegt bei etwa zehn Gramm pro Tag.
Kurkuma, genauer gesagt dessen Wirkstoff Curcumin, hat in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit erfahren. Die gelbe Wurzel besitzt ausgeprägte entzündungshemmende Eigenschaften und kann bei regelmäßiger Einnahme Arthrose-Beschwerden lindern. Allerdings ist die Bioverfügbarkeit von Curcumin gering, weshalb es zusammen mit schwarzem Pfeffer oder in speziellen Formulierungen eingenommen werden sollte. Ingwer wirkt ähnlich entzündungshemmend und kann frisch, als Tee oder als Extrakt konsumiert werden.
Ein oft vernachlässigter aber extrem wichtiger Aspekt ist das Körpergewicht. Übergewicht ist einer der Hauptrisikofaktoren für die Entstehung und das Fortschreiten von Hüftarthrose. Jedes Kilogramm Übergewicht belastet die Hüftgelenke mit einem Vielfachen beim Gehen und noch mehr beim Treppensteigen. Studien zeigen, dass bereits eine moderate Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Prozent des Körpergewichts zu einer signifikanten Verbesserung der Beschwerden führen kann. Die Kombination aus gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung ist dabei der Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg.
Physikalische Therapien
Physikalische Therapien nutzen natürliche Reize wie Wärme, Kälte, Elektrizität oder Magnetfelder zur Behandlung. Die Anwendung von Wärme wird von vielen Arthrose-Patienten als wohltuend empfunden. Wärme fördert die Durchblutung, entspannt die Muskulatur und kann die Beweglichkeit verbessern. Bewährte Anwendungen sind Moorpackungen, Rotlicht, warme Bäder oder Wärmflaschen. Besonders effektiv ist Wärme vor körperlicher Aktivität, da sie das Gelenk auf die Belastung vorbereitet. Kälteanwendungen hingegen wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd, besonders bei akuten Schüben mit Schwellung und Überwärmung des Gelenks. Eispackungen oder Kältekompressionen sollten jedoch nicht direkt auf die Haut aufgelegt werden und die Anwendungsdauer sollte 15 bis 20 Minuten nicht überschreiten. Manche Patienten profitieren von einem Wechsel zwischen Wärme- und Kälteanwendungen.
Die Balneotherapie, also die Behandlung mit Heilwässern und Heilschlamm, hat in Österreich eine lange Tradition. Schwefelhaltiges Thermalwasser oder radonhaltige Bäder werden traditionell bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Die Kombination aus Wärme, Auftrieb und den im Wasser gelösten Mineralien kann schmerzlindernd und entspannend wirken. Mehrwöchige Kuren in entsprechenden Kurorten können zu längerfristigen Verbesserungen führen.
Elektrotherapie nutzt elektrische Ströme zur Schmerzlinderung und Durchblutungsförderung. TENS-Geräte, die transkutane elektrische Nervenstimulation ermöglichen, können von Patienten auch zu Hause angewendet werden und bieten eine medikamentenfreie Schmerztherapie-Option. Die Wirkung beruht auf der Blockierung der Schmerzweiterleitung und der Stimulation körpereigener schmerzlindernder Systeme. Ultraschalltherapie arbeitet mit hochfrequenten Schallwellen, die eine Art Mikromassage im Gewebe erzeugen. Dies fördert die Durchblutung, den Stoffwechsel und kann zur Schmerzlinderung beitragen. Die Behandlung wird von Physiotherapeuten durchgeführt und erfolgt meist in mehreren Sitzungen. Die Magnetfeldtherapie ist umstritten, was die wissenschaftliche Evidenz betrifft. Befürworter berichten von schmerzlindernden und regenerationsfördernden Effekten durch pulsierende Magnetfelder. Die Behandlung ist nebenwirkungsarm, allerdings ist die Wirksamkeit nach aktueller Studienlage nicht eindeutig belegt. Patienten, die diese Therapie ausprobieren möchten, sollten realistische Erwartungen haben.
Hilfsmittel und Alltagsanpassungen
Neben therapeutischen Maßnahmen spielen praktische Hilfsmittel und Anpassungen im Alltag eine wichtige Rolle im Umgang mit Hüftarthrose. Orthopädische Hilfsmittel können das betroffene Gelenk entlasten und die Mobilität erhalten. Unterarmgehstützen oder ein Gehstock auf der gegenüberliegenden Seite des betroffenen Gelenks können die Belastung deutlich reduzieren. Wichtig ist die richtige Einstellung der Höhe und eine Anleitung in der korrekten Gehtechnik durch einen Physiotherapeuten. Schuheinlagen mit dämpfenden Eigenschaften oder Pufferabsätzen können die Stoßbelastung beim Gehen abfedern und so das Hüftgelenk schonen. Orthopädische Schuhe mit breitem Vorfuß und guter Dämpfung sind empfehlenswert, während hohe Absätze und harte, unflexible Sohlen vermieden werden sollten. Manche Patienten profitieren von speziellen Einlagen, die eine leichte Außenranderhöhung haben und so die Belastungsachse des Beins optimieren.
Ergonomische Anpassungen im Alltag können erheblich zur Gelenkschonung beitragen. Erhöhte Sitzgelegenheiten erleichtern das Aufstehen, da weniger Beugung im Hüftgelenk erforderlich ist. Ein Toilettensitzerhöher, ein höhenverstellbares Bett oder ein Sessel mit Aufstehhilfe können den Alltag deutlich erleichtern. Im Bad können Haltegriffe und rutschfeste Matten Sicherheit geben und das selbstständige Waschen ermöglichen. Gelenkschonende Bewegungsmuster sollten erlernt und im Alltag umgesetzt werden. Dies bedeutet zum Beispiel, aus der Hocke nicht mit gebeugtem Rücken aufzustehen, sondern mit geradem Rücken und unter Einsatz der Beinmuskulatur. Beim Heben sollte die Last nah am Körper gehalten und aus den Beinen heraus gehoben werden. Das Vermeiden von langem Stehen oder Sitzen in ungünstigen Positionen sowie regelmäßige Positionswechsel sind wichtig. Auch im häuslichen Umfeld können kleine Veränderungen große Wirkung haben. Gegenstände des täglichen Bedarfs sollten in bequemer Greifhöhe aufbewahrt werden, um häufiges Bücken zu vermeiden. Lange Greifhilfen ermöglichen das Aufheben von Gegenständen vom Boden ohne tiefes Beugen. Selbst die Gestaltung des Gartens kann angepasst werden, etwa durch Hochbeete, die das Arbeiten im Stehen ermöglichen.
